Sind volumenabhängige Gebühren fair?

Warum sollte jeder zusätzliche investierte Franken eigentlich was kosten?

Jan-Philip Schade

von

Jan-Philip Schade

07
May 2021
Sind volumenabhängige Gebühren fair?

Zusammenfassung

In keiner anderen Industrie gibt es ein solch einseitiges Preismodell wie in der Finanzindustrie: Während jeder weitere Franken (kaum) einen Mehraufwand für den Vermögensverwalter verursacht, wird die Dienstleistung dennoch immer teurer. Ich betrachte dieses Preismodell etwas genauer und schlage eine Idee für einen alternativen Ansatz vor – die gedeckelte Verwaltungsgebühr.

Worum geht es?

Es scheint die grösste Erfindung der Finanzindustrie zu sein – zumindest aus Sicht der Vermögensverwalter und Asset Manager: Eine Gebühr in Abhängigkeit des verwalteten Vermögens anstelle einer Entschädigung für den tatsächlich entstandenen Aufwand. Die Wirkung einer solchen Assets under Management (AuM) basierten Gebühr ist enorm: Es müssen keine (abschreckenden) absoluten Beträge ausgewiesen werden, sondern nur kleine Prozentbeträge. So klingt 1.30% Gebühr auf das investierte Vermögen für die meisten nach viel weniger als eine jährliche Gebühr von beispielsweise CHF 1'300. Zudem erhöhen sich die effektiven Kosten für den Kunden, sobald das investierte Vermögen steigt. Dies ist zum Beispiel auch dann der Fall, wenn die Kurse steigen und der Kunde eine positive Rendite erwirtschaftet. In diesem Fall können die zusätzlichen Gebühren als eine Art Erfolgsbeteiligung für den Vermögensverwalter gesehen werden. Jedoch steigen die Gebühren auch dann, wenn der Kunde selbst mehr investiert, also «neues» Geld bringt. In diesem Fall war das Handeln des Vermögensverwalters also offensichtlich nicht ausschlaggebend für den Anstieg des investierten Vermögens. Zwar kann argumentiert werden, dass durch «neues» Geld ein gewisser Mehraufwand für den Vermögensverwalter entsteht, jedoch ist dieser erfahrungsgemäss gering (abgesehen von Handelskosten, welche meistens separat in Rechnung gestellt werden). Profitiert also der Vermögensverwalter ungerechtfertigt von seinen Kunden?

Kritische Betrachtung

Eine volumenabhängige Gebühr ist natürlich nicht nur negativ. Im Gegenteil. Ein Vorteil besteht beispielsweise darin, dass auf diese Art und Weise auch kleinere Beträge investiert werden können. Würde bei kleineren Anlagen bereits der volle Aufwand des Vermögensverwalters in Rechnung gestellt, so könnte sich gerade die anfängliche Investition in vielen Fällen nicht mehr lohnen. Bei einer volumenbasierten Gebühr werden die Kosten für die Leistungen des Vermögensverwalters quasi über die Zeit verteilt, indem eine jährliche Gebühr verrechnet wird, welche mit dem Wert der Anlage steigt. Dies macht Sinn und erscheint auch fair, da die Gebühren erst verrechnet werden, wenn mehr Vermögen zum Tragen der Kosten vorhanden ist. Aber warum wird die volumenabhängige Gebühr nicht irgendwann begrenzt? Warum kosten beispielsweise bei einem Investitionsvolumen von CHF 100'000 und einer Gebühr von 1.3% weitere CHF 10'000 nochmals CHF 130 extra pro Jahr? Und die übernächsten CHF 10'000 nochmals CHF 130? Irgendwann sind die Kosten und Aufwände des Vermögensverwalters gedeckt und jeder weitere Franken Anlage erzeugt kaum Mehraufwand in der Verwaltung. Diese unendliche Skalierbarkeit für den Vermögensverwalter ist nur schwer zu rechtfertigen und es stellt sich daher die Frage, warum es keine absolute Deckelung der Verwaltungsgebühr gibt.

Alternativer Ansatz

Ein faires und innovatives Preismodell für die Vermögensverwaltung stellt in meinen Augen eine volumenabhängige Gebühr mit einer Begrenzung nach oben dar. Gerade heute, wo die meisten Anlagestrategien voll automatisiert laufen, entstehen so gut wie keine zusätzlichen Kosten mehr für neu investiertes Geld. Es erscheint also umso weniger nachvollziehbar, warum es keinen Gebühren-Deckel geben sollte. Eine Kombination von volumenabhängiger Gebühr und absolutem Deckel hat einige Vorteile. So sorgt die volumenabhängige Gebühr dafür, dass schon kleine Volumen sinnvoll angelegt werden können und incentiviert Vermögensverwalter dazu, so zu handeln, dass die Anlagen an Wert gewinnen. Gleichzeitig sorgt die Deckelung dafür, dass Kunde und Vermögensverwalter auch bei höheren Anlagevolumen fair und ausgeglichen behandelt werden. Es bleibt zu sehen, ob und wann sich dieses Preismodell in der Finanzindustrie durchsetzen wird. Die Notwendigkeit besteht aber eindeutig.

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In keiner anderen Industrie gibt es ein solch einseitiges Preismodell wie in der Finanzindustrie: Während jeder weitere Franken (kaum) einen Mehraufwand für den Vermögensverwalter verursacht, wird die Dienstleistung dennoch immer teurer. Ich betrachte dieses Preismodell etwas genauer und schlage eine Idee für einen alternativen Ansatz vor – die gedeckelte Verwaltungsgebühr.

Worum geht es?

Es scheint die grösste Erfindung der Finanzindustrie zu sein – zumindest aus Sicht der Vermögensverwalter und Asset Manager: Eine Gebühr in Abhängigkeit des verwalteten Vermögens anstelle einer Entschädigung für den tatsächlich entstandenen Aufwand. Die Wirkung einer solchen Assets under Management (AuM) basierten Gebühr ist enorm: Es müssen keine (abschreckenden) absoluten Beträge ausgewiesen werden, sondern nur kleine Prozentbeträge. So klingt 1.30% Gebühr auf das investierte Vermögen für die meisten nach viel weniger als eine jährliche Gebühr von beispielsweise CHF 1'300. Zudem erhöhen sich die effektiven Kosten für den Kunden, sobald das investierte Vermögen steigt. Dies ist zum Beispiel auch dann der Fall, wenn die Kurse steigen und der Kunde eine positive Rendite erwirtschaftet. In diesem Fall können die zusätzlichen Gebühren als eine Art Erfolgsbeteiligung für den Vermögensverwalter gesehen werden. Jedoch steigen die Gebühren auch dann, wenn der Kunde selbst mehr investiert, also «neues» Geld bringt. In diesem Fall war das Handeln des Vermögensverwalters also offensichtlich nicht ausschlaggebend für den Anstieg des investierten Vermögens. Zwar kann argumentiert werden, dass durch «neues» Geld ein gewisser Mehraufwand für den Vermögensverwalter entsteht, jedoch ist dieser erfahrungsgemäss gering (abgesehen von Handelskosten, welche meistens separat in Rechnung gestellt werden). Profitiert also der Vermögensverwalter ungerechtfertigt von seinen Kunden?

Kritische Betrachtung

Eine volumenabhängige Gebühr ist natürlich nicht nur negativ. Im Gegenteil. Ein Vorteil besteht beispielsweise darin, dass auf diese Art und Weise auch kleinere Beträge investiert werden können. Würde bei kleineren Anlagen bereits der volle Aufwand des Vermögensverwalters in Rechnung gestellt, so könnte sich gerade die anfängliche Investition in vielen Fällen nicht mehr lohnen. Bei einer volumenbasierten Gebühr werden die Kosten für die Leistungen des Vermögensverwalters quasi über die Zeit verteilt, indem eine jährliche Gebühr verrechnet wird, welche mit dem Wert der Anlage steigt. Dies macht Sinn und erscheint auch fair, da die Gebühren erst verrechnet werden, wenn mehr Vermögen zum Tragen der Kosten vorhanden ist. Aber warum wird die volumenabhängige Gebühr nicht irgendwann begrenzt? Warum kosten beispielsweise bei einem Investitionsvolumen von CHF 100'000 und einer Gebühr von 1.3% weitere CHF 10'000 nochmals CHF 130 extra pro Jahr? Und die übernächsten CHF 10'000 nochmals CHF 130? Irgendwann sind die Kosten und Aufwände des Vermögensverwalters gedeckt und jeder weitere Franken Anlage erzeugt kaum Mehraufwand in der Verwaltung. Diese unendliche Skalierbarkeit für den Vermögensverwalter ist nur schwer zu rechtfertigen und es stellt sich daher die Frage, warum es keine absolute Deckelung der Verwaltungsgebühr gibt.

Alternativer Ansatz

Ein faires und innovatives Preismodell für die Vermögensverwaltung stellt in meinen Augen eine volumenabhängige Gebühr mit einer Begrenzung nach oben dar. Gerade heute, wo die meisten Anlagestrategien voll automatisiert laufen, entstehen so gut wie keine zusätzlichen Kosten mehr für neu investiertes Geld. Es erscheint also umso weniger nachvollziehbar, warum es keinen Gebühren-Deckel geben sollte. Eine Kombination von volumenabhängiger Gebühr und absolutem Deckel hat einige Vorteile. So sorgt die volumenabhängige Gebühr dafür, dass schon kleine Volumen sinnvoll angelegt werden können und incentiviert Vermögensverwalter dazu, so zu handeln, dass die Anlagen an Wert gewinnen. Gleichzeitig sorgt die Deckelung dafür, dass Kunde und Vermögensverwalter auch bei höheren Anlagevolumen fair und ausgeglichen behandelt werden. Es bleibt zu sehen, ob und wann sich dieses Preismodell in der Finanzindustrie durchsetzen wird. Die Notwendigkeit besteht aber eindeutig.